Spülung

Spülungen werden überwiegend notwendig, wenn Netze stark mit Kalkstein zugesetzt sind (Säurespülung) oder durch Rostknollen mit Flugrostrostbesatz (Druck-Impuls-Spülung). In neuerer Zeit werden Spülungen auch zum Austrag von Biofilmen eingesetzt.

Gleich welcher Art bergen Spülungen immer die Gefahr einer zusätzlichen Schädigung von Netzen, weshalb ihr Umfang so gering wie möglich gehalten werden sollte. Nicht nur an verzinktem Stahlrohr können als Folge Wasserschäden auftreten, sondern auch Edelstahlnetze werden bei der Wahl ungeeigneter Säuren und zu langer Verweildauer der Chemikalien im Netz angegriffen.

Wir prüfen deshalb im Vorfeld die verbauten Materialien, den tatsächlichen Zustand der Netze und führen Probespülungen mit verschiedenen Chemikalien durch. Unsere Leistungsverzeichnisse definieren Chemikalieneinsatz sowie Umfang, Art und Abwicklung einer Spülung im Detail. Angebote holen wir ausschließlich von Fachfirmen ein, die in dem jeweiligen Spülverfahren hohe Erfahrung haben.

Durch unsere fachliche Begleitung verringern wir nicht nur häufig Umfang und Kosten von Spülungen sondern stellen auch sicher, dass das Risiko zusätzlicher Schädigungen an den Netzen minimiert und eine gute Maßnahmenorganisation gewährleistet wird.

MIC

Noch wenig bekannt ist, dass bestimmte Mikroorganismen Wasser führenden Installationen und generell Werkstoffe stark angreifen können. Eine Reihe solch „schadensträchtiger“ Mikroorganismen dürfte zudem vermutlich noch unbekannt sein da die Forschung hierzu schwierig ist und noch in den Anfängen steckt.

Der Nachweis von „Biofouling“ oder „MIC“ (microbially influenced corrosion) erfolgt am lebenden Biofilm, erfordert daher hohen Aufwand und wird nur von sehr wenigen Fachlaboren durchgeführt.

Eines allerdings haben diese Mikroorganismen gemeinsam: Dort, wo sie wachsen, verändern sie lokal den pH-Wert (nachgewiesen bisher Veränderungen bis zu pH 2!), das Redoxpotential, die Konzentration an Sauerstoff und gelösten Salzen, genau die Parameter also, welche aus chemischer Sicht für Korrosionen verantwortlich zu machen sind. „MIC“ bewirkt mithin keineswegs „neue“ Korrosionsmechanismen, sondern beeinflusst die chemischen bzw. elektrochemischen Prozesse an Grenzflächen zwischen Wasser und Wasser führenden Systemen. Wie hoch der Anteil von Mikroorganismen an einem bestimmten Schadensprozess ist, lässt sich deshalb oft gar nicht genau bestimmen, da biotische und abiotische Effekte synergetisch ablaufen können.

Wissenschaftliche Untersuchungen gehen aber davon aus, dass MIC insbesondere bei Prozesswässern und mit Nährstoffen angereicherten Wässern an mindestens einem Viertel der Schäden beteiligt ist.

Biofilm

Im Wasser gibt es unzählige Mikroorganismen – ohne sie wäre höheres Leben nicht möglich. Ein großer Teil ist der Wissenschaft bislang vermutlich noch unbekannt, selbst der sog. „unspezifische Wasserkeime“ in unserem Trinkwasser, die zwar als harmlos gelten, eine bestimmte „Gesamtkeimzahl“ aber dennoch nicht überschreiten dürfen.

Andere Keime sind als gesundheitsgefährdend erkannt und dürfen deshalb im Trinkwasser nicht vorkommen. So insbesondere die bekannten Legionellen, aber auch Pseudomonas aeruginosa, Escherichia coli, Coliforme Keime, Enterokokken und Clostridium perfringens.

In Sanitär- und Heizungsinstallationen beginnt die Bildung von Biofilmen unmittelbar nach dem Befüllen. Vorausgesetzt, es wurde auf der Baustelle hygienisch gearbeitet (kein Eintrag von Keimen über offene Rohre usw.) gelangen die Keime fast ausschließlich in sehr geringer Zahl mit dem Versorgungswasser in die Systeme.

Bauteile und Rohre aus Kunststoff begünstigen die Biofilmbildung, Stahl verhält sich neutral während Kupfer antiseptisch reagiert.

Zunächst besiedeln anspruchslose Mikroorganismen die Oberflächen, vorzugsweise dort wo wenig Fließbewegung vorliegt. Deshalb sind groß dimensionierte Stahlrohre, an denen sich Rostknollen mit „Stagnationsräumen“ ausbilden, besonders stark mit Biofilmen besetzt. Mit der Zeit werden Biofilme immer artenreicher und komplexer. Ihre Zusammensetzung hängt u.a. von der Wassertemperatur (im Warmwasser- und Heizungsnetzen siedeln bevorzugt „thermophile“ Keime) und vom Sauerstoffgehalt des Wassers ab.

Die Vermehrung der Keime ist neben anderen Bedingungen stark vom Nährstoffangebot abhängig, beispielsweise den Sedimenten die mit dem Versorgungswasser eingetragen werden. Anreicherungen des Wassers mit Nährstoffen (z.B. den häufig zugeführten Phosphaten) sind deshalb vor allem bei Anlagen mit nachgewiesener Kontamination unbedingt zu vermeiden.

Die Reproduktionsrate der Keime ist bei günstigen Voraussetzungen sehr hoch. Es treten Generationenfolgen von weniger als einer Stunde auf, weshalb in vergleichsweise kurzen Zeiträumen Anpassungen an geänderte Lebensbedingungen und Resistenzen auftreten können.

Ein sog. „gealterter“ Biofilm kann Schichtdicken von über einem Millimeter erreichen und beherbergt Dutzende von verschiedenen Spezies.

Bereits seit längerem ist bekannt, dass Biofilme auch Mikroorganismen beinhalten können, die Materialien angreifen: „Biofouling“ oder „MIC“ (microbially influenced corrosion) kann entsprechend der Reproduktionsraten der entsprechenden Keime zu einem extrem schnellen und heftigen Schadensverlauf führen.

In all diesen Fällen schafft auch der Einbau thermischer Regulierventile nur begrenzt Abhilfe. Er muss deshalb einhergehen mit geeigneten Maßnahmen, um die Querschnitte der Warmwasserstränge wieder zu erweitern und dauerhaft frei zu halten.

Planungs- und Ausführungsphase

Die sachgerechte Planung und Bauausführung von Sanitär- und Heizungsinstallationen ist einer der wichtigsten Aspekte der Schadensprävention. Aufgrund von Unkenntnis, Preis- und Termindruck oder auch Nachlässigkeit werden aber gerade hier die Grundlagen für viele der späteren Probleme gelegt.

Häufig anzutreffende Mängel sind

  • Zu kleine Heizräume, die keine sinnvolle Anordnung und spätere Wartung der Anlagen zulassen
  • Verwendung falscher Materialien und problematischer Materialmischungen
  • „Bevorraten“ von Leitungen und Entnahmestellen, deren spätere Nutzung nicht sicher gestellt ist.
  • Räumlich unzureichende Trennung von Kalt- und Warmwasser bzw. Heizwasser
  • Räumlich unzureichende Trennung von Wasser- und Elektroninstallationen
  • Verwendung ungeeigneter Bearbeitungswerkzeuge
  • Unhygienische Lagerung von Rohren, Anlagen und Arbeitsmaterialien auf der Baustelle
  • Fehlendes „Entgraten“ von Schnittflächen
  • Zu frühes Befüllen von Netzen was zu Stagnation des Wassers führt
  • Mangelhafte Druckprüfungen und Spülungen
  • Fehlende Prüfungen der Hydraulik von Heizung und Warmwasser
  • Mangelhaftes Abdichten von Fugen und fehlende Feuchtesperren als Ursache für spätere Außenkorrosion

HAUPTSITZ
WASSERNETZ Bernau a. Ch. | Dr. Claudia Nölting
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ZWEIGSTELLE
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